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Interview mit dem Wochenspiegel

Herr Rosenke, das politische Jahr 2009 war für Sie und viele politisch Interessierte im Kreis Euskirchen bisher sehr aufregend. Das Drehbuch, das seit der Kampfansage von Clemens Pick hier abläuft, würde einem Herrn Hitchcock sicherlich gefallen.

Nach dem ersten Schock über die Abstimmungsniederlage in Gemünd haben Sie sich entschieden zu kämpfen –aus der CDU aus- und als unabhängiger Kandidat anzutreten.
 
Frage:
Wie sind Sie persönlich mit der hauchdünnen Abstimmungsniederlage von Gemünd umgegangen? Wird man in einer solchen Situation auch ein Stück weit selbstkritisch?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Zunächst war das natürlich ein Schock für mich. Selbstverständlich geht man nach einem solchen Ergebnis in sich, wird nachdenklich und fragt sich: Was hast Du falsch gemacht? Was hättest Du anders machen können? Da lässt sich sicher auch das eine oder andere finden. Denn Menschen, die handeln, machen Fehler. Entscheidend ist, diese Fehler nicht zu wiederholen.
Ein gesundes Maß an Selbstkritik gehört bei meiner Arbeit stets dazu.
 
Wichtiger noch als die Fehleranalyse war aber die politische Bewertung des Abstimmungsergebnisses von Gemünd. Ich bleibe dabei: es war eine punktuelle Zufallsmehrheit, die - wie wir alle wissen – putschartig herbeigeführt wurde und großen politischen Schaden in der Partei angerichtet hat.
 
Beides zeigt: Das Abstimmungsergebnis von Gemünd spiegelte nicht die Mehrheitsmeinung der CDU-Mitglieder im Kreisverband Euskirchen wider. Das haben mir viele CDU-Mitglieder schon damals – und inzwischen immer wieder – durch Zuschriften, Anrufe und in Gesprächen bestätigt.
 
Daraus musste ich politische Schlussfolgerungen ziehen - und das habe ich getan.
 
Frage:
Wie sehen Sie die Situation jetzt, wenige Tage vor der Wahl? War die Entscheidung, die Sie im Frühjahr getroffen haben, aus Ihrer Sicht richtig?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Unbedingt. Der Landrat wird, wie auch die Bürgermeister, von den Bürgerinnen und Bürgern direkt gewählt. Die politischen Parteien können Vorschläge machen, aber sie bestimmen nicht, wer Landrat oder Bürgermeister wird. Jeder Bürger im wählbaren Alter kann Vorschläge machen oder sich selbst zur Wahl stellen.
 
Deshalb war es folgerichtig, dass ich im Frühjahr gesagt habe: Nicht die CDU entscheidet, wer Landrat wird, sondern die Bürger entscheiden. Darum habe ich mich nach 15 Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Landrat wieder zur Wahl gestellt.
Und die vielen aufmunternden Worte von Bürgerinnen und Bürgern des Kreises mit den unterschiedlichsten Parteibüchern haben mir sehr geholfen. Mir ist klar geworden, dass viele Menschen mit meiner Arbeit der letzten 15 Jahre für den Kreis Euskirchen einverstanden waren und wünschen, dass diese Arbeit auch die nächsten sechs Jahre fortgeführt wird.
 
Frage:
Dass Sie als amtierender Landrat durch den Kreis Euskirchen gezogen sind, um Plakate zu kleben und mit einer kleinen Schar von Unterstützern Wahlkampf zu betreiben, hätten Sie sich Anfang des Jahres sicherlich in dieser Form auch nicht vorstellen können. Wie fällt Ihre Bilanz nach diesen anstrengenden Wochen aus?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Ich habe in einem Maße Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten, die ich selbst so nicht erwartet hatte. Dafür bin ich sehr dankbar. Es waren anstrengende, aber auch interessante und lehrreiche Wochen.
 
Zu den Erkenntnissen gehört auch, dass wir uns am Beginn einer neuen Entwicklung befinden. Die Bindung der Menschen an die politischen Parteien, insbesondere an die großen Volksparteien, lässt nach. Damit geht auch die Bereitschaft zurück, nahezu alle öffentlichen Angelegenheiten von den Parteien regeln zu lassen.
 
Ich bin der sicheren Überzeugung, dass es schon bald ganz normal sein wird, dass sich zukünftig parteiunabhängige Persönlichkeiten für kommunale Spitzenämter bewerben und auch gewählt werden. Der Landesgesetzgeber hat das mit der Einführung der Direktwahl ab 1999 bewusst in die Wege geleitet. Das ist bei vielen Politikern noch nicht angekommen. Aber ich bin davon überzeugt, der Umdenkungsprozess geht unaufhaltsam weiter.
 
Die Parteien erhalten dadurch Wettbewerber unmittelbar aus der Bürgerschaft. Das schadet unserer Demokratie nicht, wie manche meinen. Im Gegenteil: Es nützt ihr! Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt der Volksmund.
 
Ich möchte der erste Bürger-Landrat im Kreis Euskirchen werden; weitere werden sicher folgen.
 
Frage:
Sie haben insgesamt fünf Herausforderer um das Amt des Landrats. Die Tatsache, dass die CDU erstmals keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat und die Opposition sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnte, spielt Ihnen sicherlich in die Karten. Welche Prozentzahl peilen Sie an? Wer ist Ihr stärkster Gegenspieler?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Ich möchte wieder Landrat - Bürger-Landrat - werden. Dafür brauche ich die Mehrheit der Wählerstimmen, und darum werbe ich bis zum Wahltag.
Die Landratswahl ist und bleibt eine Personenwahl und so hoffe ich, dass sich die Wähler, die sich bei der letzten Wahl für meine Person entschieden haben, mir auch dieses Mal ihr Vertrauen aussprechen. Denn eins kann ich sagen: An der Person Günter Rosenke hat sich durch den Austritt aus der CDU nichts geändert.
Meine Mitbewerber möchte ich nicht bewerten. Jeder wirbt für sich. Abgerechnet wird am 30. August abends ab 18 Uhr. Dann wird sich zeigen, wer die Wähler überzeugen konnte und wer nicht. Ich bin zuversichtlich, weil mein Team gute und überzeugende Arbeit geleistet hat.
 
Frage:
Welche thematischen Schwerpunkte können Sie den Wählern für die kommenden Jahre anbieten? Welche Themen werden Sie forcieren, wenn Sie wiedergewählt werden?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Die Themen, die uns die nächsten Jahre beschäftigen werden sind vielfältig. Jedoch lassen sich die meisten unter dem Stichwort "Demografischer Wandel" zusammenfassen: Es muss uns in den nächsten Jahren gelingen, dass sich der Kreis Euskirchen im Konkurrenzkampf mit den anderen Landkreisen behauptet. Die Lebensqualität für Familien aber auch für Senioren muss verbessert und weit über die Kreisgrenzen bekannt werden. An der Qualität als leistungsstarker Wohn- und Arbeitsstandort, sowie als touristischer Standort muss ständig weiter gearbeitet werden.
 
Ich möchte drei Punkte besonders hervorheben.
 
Erstens: Eines meiner wichtigsten politischen Anliegen ist die Förderung der Familie. Deswegen werde ich weiter darauf hin arbeiten, dass Familie und Beruf im Kreis Euskirchen immer besser in Einklang gebracht werden können.
 
Zweitens: Ich werde mit aller Kraft daran mitwirken, dass neue Arbeits- und Ausbildungsplätze im Kreis Euskirchen entstehen und die vorhandenen Arbeitsplätze gesichert werden. Ein wichtiger Schritt dazu ist das kürzlich neu eröffnete Gewerbegebiet für Großinvestoren „Am Silberberg“ in Euskirchen, auch Prime Site Rhine Region genannt. Ein weiterer Ansatz ist mir ebenfalls besonders wichtig, die Vorbereitung und Unterstützung unserer Schulabgänger für das Berufsleben. Die Lernpartnerschaften zwischen Schulen, insbesondere Haupt- und Realschulen, haben sich bewährt und müssen fortgesetzt werden.
 
Drittens: Ich will den Tourismus in unserem Kreis weiter ausbauen. Die Eifel muss ein Markenzeichen werden, wie etwa der Schwarzwald. Damit eröffnen sich große Chancen für Gewerbe und neue Arbeitsplätze.
Mit dem Leuchtturmprojekt Nationalpark und Ordensburg Vogelsang sowie mit der Gründung der Nordeifel-Touristik GmbH sind wir auf einem guten Weg unsere „nördliche Toscana“ intensiv zu vermarkten.
 
Mein vollständiges Wahlprogramm finden Sie im Internet auf meiner Homepage www.landrat-rosenke.de.
 
Frage:
Wie stellen Sie sich in Zukunft die Zusammenarbeit mit ihrer „Ex-Partei“ CDU vor? Ist es denkbar, dass Sie wieder in die Partei eintreten? Oder wird es „nur“ eine sachorientierte Zusammenarbeit geben?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Für mich hat die Sachorientierung immer im Vordergrund gestanden. Ich habe mit allen Parteien im Kreistag sachorientiert diskutiert und zusammengearbeitet. Natürlich wird das auch zukünftig so bleiben.
Nach dem Wahltag werden sich die jetzt noch bei manchen vorhandenen Aufgeregtheiten hoffentlich wieder legen. Dann wird man vernünftige, sachorientierte Gespräche führen müssen. Ich plädiere weiterhin für eine sachorientierte Zusammenarbeit mit allen im Kreistag vertretenden Fraktionen; so, wie wir das im Übrigen auch die letzten fünf Jahre gemeinsam erfolgreich praktiziert haben. 95% der gefassten Beschlüsse haben wir einstimmig abgestimmt. Die Verwaltung hat für die gute Arbeit jedes Jahr von der Politik die Entlastung erteilt bekommen. Warum sollten wir das nicht weiter führen?
 
 
Frage:
Es gibt in Teilen der CDU Vorbehalte gegen Ihre Arbeit. Was können Sie von Ihrer Seite tun, damit sich auch Ihre ehemaligen Parteifreunde im Kreis Euskirchen wieder „wohlfühlen“?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Als Bürger-Landrat werde ich mit allen politischen Kräften zusammenarbeiten, selbstverständlich auch mit der CDU. Aber: Ich kann es nicht immer allen recht machen. Damit musste ich in diesem Amt schon immer leben und werde wohl auch in Zukunft damit leben müssen. Ich tue aber meinerseits alles, um Reibungsverluste möglichst zu vermeiden, z.B. durch eine stärker ausgeprägte Kommunikation.
 
 
 
Frage:
Die Tätigkeit eines Landrats ist sicherlich kein 40-Stunden-Job. Wie halten Sie sich körperlich fit, um die Dauerbelastung zu verkraften?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Ich treibe Sport, wann immer mir das möglich ist: Fahrradfahren, Wandern, Wanderreiten auf Island-Pferden. In den letzten Wochen und Monaten hatte ich aber kaum Zeit dafür. Anstelle von Sport gab es ein volles Wahlkampfprogramm. Das ist anstrengend; aber die große Zustimmung der Bevölkerung, die ich erfahren durfte und die hervorragende Mitarbeit aus der Wählergemeinschaft Bürger-Landrat gibt auch neue Kraft und hat mich motiviert.
 
Frage:
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang Ihre Familie?
 
Bürger-Landrat Rosenke:
Ich bin gerne im großen Familienkreis zusammen und schöpfe viel Kraft aus dem Zusammensein mit meiner Frau und unseren erwachsenen Söhnen.
Der Zusammenhalt und der Austausch mit meiner Frau und unseren beiden erwachsenen Söhnen sind mir sehr wichtig. Das sind meine ehrlichsten und schärfsten Kritiker, gleichzeitig natürlich meine ehrlichsten und größten Unterstützer. Ich brauche den Rückhalt meiner Familie, um gute Arbeit leisten zu können.
 
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